Ludwig van Beethoven

Ludwig van Beethoven wurde am 17. Dezember 1770 in Bonn nicht nur getauft; er hat hier fast 22 Jahre gelebt und gearbeitet – länger als Mozart in Salzburg.

Die damalige Remigiuskirche – Beethovens Taufkirche – stand auf dem heutigen Remigiusplatz und war eine der ältesten Kirchen in Bonn; erstmals erwähnt wurde sie im Jahr 795, fünf Jahre vor der Krönung Kaiser Karls in Aachen. Und nur auf Grund des Eintrags im Taufregister dieser Kirche – Einwohnermeldeämter gab es damals noch nicht – weiß man „dokumentenecht“, dass Ludwig van Beethoven Bonner war. In dieser Kirche, die im Mai 1800 nach einem Blitzschlag abbrannte, hatten schon Beethovens Großeltern und Eltern geheiratet, auch die meisten seiner Geschwister wurden hier getauft.

Nach dem Brand wurden sowohl die Funktion als Hauptpfarrkirche als auch der Name auf die heutige Remigiuskirche – eine ehemalige Klosterkirche des Minoritenordens – etwa 200 m weiter östlich übertragen. Ebenso wurden der originale Taufstein, der heute noch dort steht, und der Hochaltar, im 2. Weltkrieg zerstört, dorthin gebracht. Die Kanzel der alten Remigiuskirche wurde im Hauptschiff des Bonner Münsters wieder aufgebaut und kann heute dort besichtigt werden. Die Glocke der Remigiuskirche befindet sich heute in der Namen-Jesu-Kirche in der Bonngasse, sie schlägt u.a. um 22 Uhr zur Nachtruhe.

Die Familie van Beethoven zog in Bonn mehrere Male um (Bonngasse, Rheingasse, Neugasse, Dreyeck, Wenzelgasse). Von den ehemaligen Wohnhäusern ist nur noch das Geburtshaus in der Bonngasse 20 erhalten.

Der jugendliche Ludwig schwärmte in Bonn für vier junge Damen: Babette, Jeanette, Anna und insbesondere Eleonore, genannt „Lorchen“ von Breuning. Ihr Elternhaus am Münsterplatz wurde für Beethoven zur zweiten Heimat, vor allem nachdem seine Mutter 1787 verstorben war.

Eleonore, die eine von Beethovens frühen Klavierschülerinnen war, heiratete später Franz Gerhard Wegeler, einen langjährigen Freund von Ludwig. Auch ihr Bruder Stephan von Breuning blieb Zeit seines Lebens nicht nur ein guter Freund Beethovens, er arbeitete auch als Librettist an Beethovens einziger Oper „Fidelio“ mit.

Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte der kleine Ludwig mit sieben Jahren am 26. März 1778. Im Alter von elf Jahren veröffentlichte Beethoven seine erste Komposition. Unter seinen zahlreichen Bonner Kompositionen finden sich neben Klavierwerken und Liedern auch eine Sinfonie, zwei Klavierkonzerte, ein unvollendetes Violinkonzert, das Ritterballett und zwei Kantaten. Und bereits in Bonn hatte Ludwig die Idee, Schillers „Ode an die Freude“ zu vertonen.

Beethoven war sehr naturverbunden: „Wie froh bin ich einmal in Gebüschen, Wäldern, unter Bäumen, Kräutern, Felsen wandeln zu können, kein Mensch kann das Land so lieben wie ich – geben doch Wälder Bäume Felsen den Widerhall, den der Mensch wünscht“ (Ludwig van Beethoven). Diese Liebe zur Natur erklärt sich auch aus der Nähe seiner Bonner Wohnorte zur damals noch unbebauten Landschaft rund um die heutige Bonner Innenstadt und dem nahen Rheinufer, wie der zeitgenössische Stich vom Alten Zoll aus in Richtung Süden mit dem Siebengebirge und der Godesburg zeigt:

Im Jahr 1784 wurde Ludwig mit 13 Jahren als stellvertretender Hoforganist angestellt, 1789 wurde er Bratschist in der Bonner Hofkapelle, die zum damaligen Zeitpunkt – neben Mannheim und Kassel – eines der führenden Orchester in Deutschland war.

Von Bonn aus reiste der heranwachsende Ludwig zusammen mit anderen Mitgliedern der Hofkapelle in die nähere Umgebung, um an den dortigen Adelshöfen zu musizieren. Aber auch weitere Orchesterreisen, z.B. nach Bad Mergentheim, sind dokumentiert.

Im Jahr 1790 traf Ludwig in Bonn und 1792 in der Godesberger Redoute den Komponisten Joseph Haydn auf dessen Reise nach und von London. Haydn veranlasste denn auch, dass Beethoven im November 1792 – also im Alter von knapp 22 Jahren – zu ihm nach Wien zur Ausbildung kommen sollte. Da zwei Jahre später, 1794, die französischen Revolutionstruppen in Bonn einmarschierten und der Kurfürst – sein Arbeitgeber – floh, kehrte Beethoven nie mehr nach Bonn zurück. Dennoch hatte Beethoven Sehnsucht nach der Stadt seiner Jugend, denn er hat zeitlebens einen breiten bönnschen Dialekt gesprochen und in Wien Briefe mit „Beethoven Bonnensis“ unterschrieben.

Er starb im Alter von 57 Jahren am 26. März 1827 in Wien.

Dipl.-Geogr. Arnulf Marquardt-Kuron
Bürger für Beethoven